Das Reallabor B(e) Ware rückt für die kreislaufgerechte Transformation des Planens und Bauens die gesamte Wertschöpfungskette in den Fokus: von der Entwicklung und Koordination von Weiter- und Wiederverwendungsprozessen, der experimentellen Entwicklung von tragenden Bauteilen aus Gebrauchtmaterialien und Verfahren für den vereinfachten Einsatz in Bauprojekten bis hin zur Beratung von kreislaufgerechter Planung und Gebäudekonzepten. Zwischen Bauforschung und Planungspraxis werden Forschungsergebnisse praktisch umgesetzt und fehlendes Anwendungswissen generiert. Die Erkenntnisse des Reallabors werden in Form von verschiedenen Weiter- und Fortbildungsmodulen geteilt.
Das Reallabor B(e) Ware unterstützt Bauprojekte bei der Suche, Akquise und Beurteilung von Materialien und greift dabei auf ein breites Netzwerk aus Planer:innen, Akteur:innen der Planung, Bauwirtschaft, Prüfstellen, Industrie und Forschung zurück. Dabei übernimmt das Reallabor B(e) Ware die Koordination der notwendigen Prozesschritte, von Demontage und Transport, über die Erstellung notwendiger Gutachten und Nachweise, die Aufbereitung und Lagerung sowie die Vermittlung der Baustoffe für den Wiedereinsatz. So werden neue (alte) Ressourcen erschlossen und gleichzeitig lokale Wertschöpfungsketten in Berlin und Brandenburg gestärkt.
Anhand von assoziierten Pilotprojekten werden prototypische Bauteile und Gebäudetragwerke aus lokalen Gebrauchtstoffen entwickelt und umgesetzt: Gebrauchtes Holz, Stahlbeton und Stahl durchlaufen evaulierte Werschöpfungsprozesse. In der Planung mit gebrauchten Materialien sind zu Beginn bestimmte Eigenschaften wie Menge, Qualität und Geometrie unklar. Angepasste Bauteilkonzepte denken diese Unsicherheiten von Beginn an mit und ermöglichen flexible Planungsprozesse. Ziel ist die Entwicklung von praxistauglichen Systemen mit technischen Standards, Prüfverfahren und Qualitätssicherung für eine sichere Wiederverwendung von Bauteilen.
Das Team des Reallabors B(e) Ware begleitet Bauvorhaben beratend zum Thema des kreislaufgerechten Bauens über alle Leistungsphasen hinweg und unterstützt bei der Entwicklung von maßgeschneiderten Strategien und Leitlinien. Aufbauend auf detailliertem Materialwissen und Erfahrungen in Prüfprozessen geht es dabei in erster Linie um den maximalen Erhalt von Bestand in der ursprünglichen Form und Nutzung. Um langfristig das Abfallaufkommen zu verringern, müssen Gebäude und Bauteile reversibel konzipiert und umgesetzt werden. Dazu gehört auch die Auslegung kreislaufgerechter Planungsansätze auf die spezifischen Projektanforderungen, sowie die fachliche Beratung und Erarbeitung von Entscheidungsvorlagen zur Abbildung ökologischer und wirtschaftlicher Vorteile von zirkulären Materialien und Bauweisen.
Vollholz-Bauteile aus dem Umbau eines Schulgebäudes in Potsdam.
Rückschnitt von 20 Stück bewehrten Ortbetonteilen aus einem Komplettabriss eines Berliner Großlabors.
11,5 Tonnen gebrauchter Stahl aus einer Hilfskonstruktion für Bauarbeiten am Berliner Ostbahnhof.
Vollholz Dach- und Deckenbalken aus dem Umbau eines Gründerzeitgebäudes.
Bretterschalung aus Douglasie und Lärche aus dem Abbau einer Sitzlandschaft in einem Berliner Park.
Neubau Werkstattgebäude der internationalen Jugendbauhütte Berlin. Wiederverwendung von B(e) Ware Bauteilen in Stützen und Dachpfetten.
Kreislaufgerechter Neubau Museums-Pavillon auf dem Campus der TU Berlin. Wiederverwendung in allen tragenden Bauteilen: Stahlkonstruktion, Stützen, Gitterträger, Brettstapeldecke und Außenwand.
Prototyp für ein Beton- und Stahlarmes Einzelfundamente aus bewehrten Ortbetonrückschnitten für das TULIUM (nicht realisiert).
Stahlunterkonstruktion aus Gebrauchtstahl verbaut im Museums-Pavillon TULIUM.
Vorfabrizierte Holztafel – EcoTechWall – mit Gebrauchtholz verbaut im Museums-Pavillon TULIUM.
Blockverleimte Verbundstützen aus gebrauchtem BSH verbaut im Museums-Pavillon TULIUM.
Gedübelte, leim- und metallfreie Brettstapeldecke mit Gebrauchtholz verbaut im Museums-Pavillon TULIUM.
Ersatzneubau für den Wasserrettungsdienst am Müggelsee, Friedrichshagen. Wiederverwendung von B(e) Ware-Bauteilen in der Sichtbalkendecke, außenliegenden Erschließung oder Dachpfetten.
Gebraucht BSH aus dem Abriss eines ehemaligen Getränkemarkts in Kreuzberg
260 Vollholz Dach- und Deckenbalken aus dem Umbau eines Gründerzeitgebäudes in Kreuzberg
Weitspannender Gitterträger aus Gebrauchtholz, bestehend aus gebrauchtem BSH, neuem BSH aus Gebrauchtholz-Lamellen und gebrauchtem Vollholz – verbaut im Museums-Pavillon TULIUM.
Tragende Sichtbalkendecke aus Gebrauchtholz verbaut in der Wasserrettungsstation Friedrichshagen.